Ehrliche Selbstliebe

Ehrliche Selbstliebe

Es ist bestimmt mehr als ein Jahr her, oder vielleicht sogar schon 2 Jahre. Damals habe ich eine sehr kritische Instagram-Story hochgeladen, wo es um den Trend Selbstliebe ging und ich diesbezüglich sehr kritisiert wurde, aber auch einige positive Nachrichten erhalten habe. Vor ein paar Tagen habe ich mir einen Podcast reingezogen und in diesem Podcast wurde genau dieses Thema angesprochen, worüber ich mich damals so “ausgelassen” habe. Nach dieser Kritik habe ich meinen Mund gehalten und eher weniger darüber berichtet, aber dieser Podcast hat mich jetzt animiert diesen ehrlichen Post hier zu verfassen..

Unschöne Vorgeschichte

Es geht also um das Thema Selbstliebe. Wer meinen Background kennt, der wird wissen, welche Probleme ich mit diesem Thema hatte/habe. Essstörung und bleibende Ansichtsstörungen – ich habe alles an mir kritisiert und auch gehasst. Gehungert, viel Sport gemacht, keinen Sport gemacht, Tabletten genommen usw. – eine sehr mühsame und anstrengende Zeit. Ich habe mir über so unsinnige Dinge den Kopf zerbrochen und mein Leben so eingeschränkt, nur weil ich ständig perfekt sein wollte. Diese Gedanken sind viel weniger geworden und ich bin richtig froh darüber. Es ist mir einfach mehr egal geworden und ich habe verstanden, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, als einen “perfekten Körper” zu haben.

Ich fühle mich grundsätzlich sehr wohl, kann mich selbst leiden und habe nur mehr selten schlechte Gedanken, aber dennoch bin ich nicht “perfekt”. Es gibt Tage an denen ich mich einfach beschissen fühle – fett, hässlich und würde lieber im Haus bleiben.

Ein riesiges Problem habe ich zum Beispiel (immer schon gehabt) mit meinem Bauch und auch meine Arme nerven mich manchmal (auf meinem Titelbild finde ich meine Arme total fett und hätte es eigentlich nicht verwendet und gelöscht). Auch wenn ich mich normalerweise gut finde, gibt es eben Tage, wo das nicht der Fall ist und ich gerne 5kg weniger hätte.

Kein Vergleich.

Spreche ich das nun aus, werde ich von allen Seiten kritisiert und mir wird vorgeworfen “Du bist Schuld, dass andere Mädchen oder Frauen sich beschissen in ihrem Körper fühlen”. Wie auch schon damals (als ich noch voll in meiner Essstörung war) sind mir diese anderen Frauen ziemlich egal – es schert mich nicht, wie andere Frauen aussehen, denn ich achte in diesem Moment nur auf mich selbst. Ich fühle mich an solchen Tagen nicht gut und das hat nichts mit dem Körper einer anderen Frau oder auch Mann zu tun – ich vergleiche mich nicht!!

Man wird runtergemacht, weil man eine Schwäche zugibt, sich unwohl in seinem Körper fühlt und sofort mit anderen Personen verglichen wird. “Person XY hat 20kg mehr als du, die könnte sich unwohl in ihrem Body fühlen, aber nicht du – schau wie dünn du bist, du machst alle nur verrückt damit.”

Es ist bestimmt niemals meine Absicht gewesen andere Mädels zu verunsichern, aber darf ich jetzt nicht mehr meine eigene Meinung und Gefühle äußern, weil andere Menschen dadurch vielleicht gekränkt werden?

Selbstliebe hin und her – Cellulite sieht hässlich aus! Ich werde darüber niemals positiv sprechen, weil es einfach beschissen aussieht und da kann ich mir die Selbstliebe aufs Hirn tätowieren lassen, es wird trotzdem hässlich sein. Natürlich kann man es einfach akzeptieren und lernen damit umzugehen, weil es einfach zum Alterungsprozess dazu gehört, aber dennoch finde ich es nicht schön.

Meinungsfreiheit ade.

Man darf seine Meinung nicht mehr äußern – man darf über seine Makel nicht sprechen, obwohl man ein Problem damit hat, nur weil man andere Menschen dadurch kränken könnte.

Ich fühle mich gut, aber nicht immer und das ist völlig ok so. Bin auch nur ein Mensch und es gibt einfach Dinge, die mir nicht gefallen, was aber nicht bedeutet, dass ich deswegen meinen ganzen Körper oder meine Person hasse. Ich mache mir über bestimmte Teile an meinem Körper (unnötige) Gedanken, aber diese Gedanken beschäftigen mich eben.

Beispiel: Vergangenes Wochenende sollte ich zu einem See kommen, dort wären natürlich auch andere Menschen gewesen, die mich im Bikini gesehen hätten. An diesem Tag habe ich mich jedoch sehr unwohl in meiner Haut gefühlt und bin deswegen nicht zu diesem See gefahren. Man wird komisch angesehen und einige werden sich denken – bei der Alten tscheppert’s ja – aber so war meine Gefühlslage an diesem Tag. Ich trau mich dann gar nichts mehr zu sagen, weil man für solche ehrlichen Aussagen total schief angesehen, unhöflich oder sogar als “krank abgestempelt”wird.

Ich habe definitiv meine Essstörung überwunden, aber trotzdem gibt es Tage an denen ich mich einfach nicht gut fühle. Was mich daran so ärgert, ist die fehlende Akzeptanz – man darf nicht mehr über seine Empfindung zum eigenen Körper sprechen, denn sobald ein böses Wort diesbezüglich fällt, ist man automatisch #bodynegative eingestellt und das ist in meinen Augen ein totaler Schwachsinn.

Selbst lieben, aber nicht immer.

Jeder Mensch hat Dinge, die einem nicht so gut gefallen oder mit denen er zu kämpfen hat. Ncht immer, aber manchmal kommen diese Gedanken einfach hoch – ganz normal. Menschen sollten auch das akzeptieren und niemanden verurteilen, weil er ehrlich zu sich und der Welt ist. Ich könnte euch jetzt ständig erzählen, wie schön ich mich finde und wie toll ich mit meinem Körper umgehen kann. Nur wäre das eine Lüge. Ich versuche immer ehrlich und authentisch zu sein, aber bei diesem Thema habe ich nun lange den Mund gehalten, nur damit ich anderen nicht auf die Füße trete.

Man muss sich selbst treu bleiben, selbst akzeptieren und sich selbst lieben, aber nicht immer – eure Nina.


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