Diesen Beitrag wollte ich schon vor 2 Jahren einmal verfassen, aber irgendwie war ich nicht wirklich bereit so einen großen Part meines Lebens öffentlich mit euch zu teilen. Dieser Post ist wirklich sehr persönlich und kostet mich etwas Überwindung.

Ob ich heute bereit bin? Ich denke ja und darum dürft ihr jetzt daran teilhaben und aus gemachten Fehlern lernen…

Wie der Titel schon verrät, wird sich dieser Beitrag um Essstörungen drehen – ein Teil meiner Vergangenheit.
Als Kind war ich nicht unbedingt schlank, sportlich und besonders hübsch. Bis ich so ca. 11-12 Jahre alt war musste ich mir oft sehr schlimme Dinge anhören, wirklich schlimme Sachen.
Ich versuchte Beleidigungen dieser Art an mir abprallen zu lassen, zumindest nicht öffentlich in Tränen auszubrechen. Das hätte ja Schwäche gezeigt und das wollte ich auf gar keinen Fall!

Essstörung

Ein weiteres Problem war mein Freundeskreis und meine Mama. Sie waren alle hübsch, schlank und sehr beliebt. Ich kam mir oft wie die „hässliche Freundin/Tochter“ vor, die man eben mitnehmen muss, damit sie nicht ganz alleine ist. Meine Freunde und auch meine Familie haben mir nie dieses Gefühl vermittelt, sondern meine Einbildung und andere Personen.

Mit 11-12 habe ich dann mit meiner ersten Diät begonnen und auch einigermaßen erfolgreich Gewicht verloren.

Essstörung und die Folgen

(Zum Glück sehr verschwommen)

Mit 13-14 war ich dann noch lange nicht am Punkt angekommen, wo ich gerne sein möchte…aber ich bekam plötzlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich war ich nicht mehr das fette Schwein…!

Irgendwann ging das Gewicht wieder nach OBEN – der  Jojo-Effekt trat ein – ein Teufelskreis. Damit war ich natürlich überhaupt nicht glücklich. Die nächsten hirnrissigen Diäten folgten!

Mit 17 fühlte ich mich dann wieder wohler in meiner Haut. Alles war „gut“, doch dann kam mein erster „richtiger Freund“ und irgendwann war ich wieder total unglücklich. Erstens war die Beziehung SCHEISSE und zusätzlich wurde das Gewicht auf der Waage wieder höher.

Nach der Beziehung wollte ich super aussehen – das Gewicht musste runter!!!! Außerdem musste eine neue Haarfarbe her, die Kleidung musste sich verändern und generell alles anders werden, als zuvor.

Essstörung und WahrnehmungZu diesem Zeitpunkt war ich eigentlich schon an einem sehr kritischen Punkt angelangt, was mir selbst jedoch nicht so extrem aufgefallen war. Ich hatte nach meiner Beziehung ca. 53kg bei einer Größe von 1,66m. Würde jeder für ganz normal empfinden…ich nicht! FETT, FETT, FETT! HILFE..FETT!

Da Diäten ja nicht wirklich einen Sinn gemacht hatten, musste einfach eingespart werden, wo es nur ging.

Nach wenigen Monaten fand ich dann einen neuen „Lover“, in den ich mich extrem verliebte – der mich jedoch nie GANZ wollte. Ich muss zugeben, er sagte mir nie „Du bist hässlich oder siehst fett aus“. Doch er lies mich verstehen, dass „fette Weiber“ einfach extrem hässlich sind. Stellte Vergleiche von anderen Mädls auf, die in meinen Augen extrem gut aussahen.

 

Tja! Somit muss mehr Gewicht runter, sonst ist der gleich wieder weg!
Von diesem Zeitpunkt weg, fing ich an immer weniger zu essen – mehr darauf zu achten, was ich esse und natürlich wie viel! Täglich bestieg ich die Waage und heulte, wenn nur ein paar Gramm mehr auf der Waage waren.

Jetzt kommt der lustige Teil. Alle Personen, die mich früher geärgert hatten, dass ich zu dick war, kamen jetzt an: „Hey, du bist ja viel zu dünn – du bist eine Magersüchtige“. „Bitte iss mehr“. „Wahh du siehst total beschissen aus, iss doch mal etwas“.
Ist so etwas nicht lustig?
Egal was man tut – es wird nie passen!

Ich wusste das ich ein Problem hatte, aber irgendwie fand ich meinen Zustand ganz ok. Das Problem dabei ist, wenn man in den Spiegel blickt oder sich auf Fotos sieht, dann sieht man keinen dünne Menschen – man sieht was man sehen will…FETT!

Manchmal dachte ich mir schon: „Du passt in Hosengröße XXS“ – so dick kannst du ja gar nicht sein. Doch es wollte irgendwie kein Ende nehmen! Teilweise hatte ich Tage mit weniger als 500kcal! Vor allem vor dem Wochenende musste extrem gefastet werden, da ich ja am Wochenende gut aussehen wollte.

Nach 2-3 Jahren ging mein „Lover-Boy“ zu einer anderen Tussi – mein persönlicher Tiefpunkt!
Ich hatte das Gefühl, als wenn ich versagt hätte. Ich konnte ihn nicht halten – es muss anscheinend an meinem Körper/Aussehen liegen.

In der Zeit verlor ich dann weitere Kilos…bis ich bei meinem Tiefstand angekommen war – 44kg.
Mir ging es körperlich sehr schlecht, konnte teilweise nicht aufstehen und das Bett verlassen. Mir war ständig kalt und ich hatte extreme Kopfschmerzen.

Essstörung, Wahrnehmung und alle Folgen

Trotzdem wollte ich nicht aufhören…ich wollte weiter kämpfen und mir das zurückholen, was mir nie gehört hatte und das wollte ich mit meinem Aussehen schaffen.

Es verging wieder einige Zeit und ich lernte eine ganz besonderen Menschen kennen. Der sagte mir ständig wie dünn ich wäre und ich ruhig zunehmen könnte. Ich denke das war der Wendepunkt in meinem Leben. Keine Ahnung warum er meine Meinung umstimmen konnte – zumindest hat es geklappt.
Nach einigen Monaten war ich wieder bei einem „normalen Gewicht“ von 48-49kg angekommen.

Irgendwann hatte ich dann plötzlich 51kg und die Welt ging erneut unter! OMG – das geht mal gar nicht. Zusätzlich stand der Maturaball eines Familienmitglieds an, bei dem ich Hammer aussehen wollte. Durch ein (un)Glück kam ich an verbotene Pille, die mir in 1 Woche gleich 4 Kilo kosteten. Von der Wirkung war ich selbst extrem beeindruckt, obwohl es mir noch nie so schlecht ging, wie in dieser Woche. Ich hatte überhaupt kein Hungergefühl, war ständig durstig, hatte täglich Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Schüttelfrost und konnte mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Wenn jemand mit mir ein Gespräch führte, kam ich mir vor, als wenn ich in einem anderen Universum wäre.

Essstörung, Wahrnehmung und schlimme Folgen

(Schande über mich…)

Nach dem Ball habe ich mich zum Glück wieder gefangen und kam schnell zu meinem „normalen Gewicht“ zurück.

Wenige Monate darauf kam dann wirklich eine große Veränderung in meinem Leben. Plötzlich hatte ich Spaß am Kochen und am Essen. Sport machte ich mit meiner damaligen Freundin (was ich davor fast nie gemacht hatte) und mein Leben fing an sich wieder zu normalisieren.

Trotzdem blieb ich immer bei einem Gewicht von ca. 50kg und wollte auf gar keinen Fall diese Zahl erhöhen – mein Wohlfühlgewicht.

Essstörung, Wahrnehmung und bleibende Schäden

Ich machte mehr Sport und habe manchmal auch etwas Süßes gegessen oder eine Pizza verschlungen. Dinge, die ich davor nie gemacht hätte! Ich fühlte mich wirklich gut und machte mir auch nicht mehr extreme Sorgen, um mein Gewicht und meine Figur.

Ein Happy End? Leider nicht…!
Vor ca. 2 Jahren konnte ich dann plötzlich kaum noch etwas essen, ohne das mir extrem übel wurde. Ärzte testeten mich auf jegliche Unverträglichkeiten und ob sonst irgendwas mit mir nicht ganz in Ordnung sei. Nein…alles gut!

Essstörung, Wahrnehmung, Folgen und Schäden

Dann fing ich mit der Paleo Ernährung an und alles wurde viel besser. Ich bekam auch wieder mehr Gefühl für meinen Körper, doch eines blieb – meine Ansichtsstörungen. Mein Wahrnehmung ist bis zum heutigen Tag gestört. Ein Problem was mir wahrscheinlich mein ganzes Leben erhalten bleibt, nur weil ich sein wollte wie andere Personen mich gerne hätten.

Zurzeit wiege ich 54kg und fühle mich wohl. Ich esse sehr viel, mache viel Sport und bin eigentlich glücklich. Trotzdem verwirrt mich mein Spiegelbild..nicht immer, aber sehr oft.

Die Zahl auf der Waage verunsichert mich jedoch nicht mehr und ich werde weiter trainieren und voller Genuss essen – egal, was die Waage sagt.

Essstörung, Wahrnehmungen und die Folgen

Warum ich diese Zeilen hier schreibe? Weil ich vielen helfen möchte, die vielleicht auch so ein Problem haben, wie ich es hatte. Ich möchte ebenso viele Mädchen davor bewahren, so etwas dummes mit ihrem Körper anzustellen. Mir ging es richtig dreckig, obwohl ich eigentlich nur glücklich sein wollte.
Außerdem hat mich mein Fehlverhalten den Genuss gekostet, da ich kaum noch etwas essen konnte. Heute kann ich wieder essen, aber eben nicht alles. Auch Paleo-Lebensmittel lösen oft extreme Schmerzen bei mir aus, obwohl sie gesund sind. Schaut auf euren Körper, ihr habt nur einen!

Die gesamte Geschichte ist der Grund, warum ich mich beruflich so verändert und warum ich diesen Blog damals ins Leben gerufen habe. Ich möchte anderen zu Seite stehen, damit sie nicht solche Fehler begehen, wie ich es gemacht habe.

Was ich euch noch auf den Weg geben möchte:

  • Verbiegt euch nicht für andere Menschen
  • Fühlt euch gut in eurem Körper
  • Macht keine Diäten
  • Hungert nicht
  • Schätzt euren Körper und euer Leben
  • Nehmt Abstand von Personen, die über eure Figur/Aussehen lästern
  • Geht nur 1x pro Woche auf die Waage
  • Nehmt euch keine Promis/Models als Vorbilder (Photoshop)
  • Esst genug, gesund und macht Sport – dann klappt das auch mit der „Traumfigur“

Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, dann würde ich allen dummen Menschen eine runterhauen und niemals mit einer Diät beginnen! Ebenso würde ich mich nieeee mehr wegen einem Mann selbst misshandeln und meinen Körper zerstören.

Menschen die euch mögen, werden es auch mit 5, 10 oder 15kg mehr tun ♥

8 thoughts on “Essstörung, Wahrnehmung und die Folgen”

  1. War mir auch nicht sicher, ob ich es schreiben soll, aber ich habe es mir gut überlegt. 🙂 Das hoffe ich auch…weil es gibt sehr viele Mädchen, die sich in so einer Situation befinden und nur wegen der „Schönheit“ ihren Körper und ihre Gesundheit opfern. Danke :), ganz lieb von dir – werde ich bestimmt nicht mehr machen! Liebe Grüße Nina

  2. Finde es gewagt und mutig, diesen Teil deines Lebens mit vielen zu teilen. Hoffe er kann denen helfen, die auch unter solchen Problemen leiden. Ein Anfang ist schon mal gemacht mit deinem Post. 😉 Kann deinen „Abschlusspunkten“ nur voll zustimmen. Übrigens bist du eine sympathisch-aussehende, junge und hübsche Frau. Lass dir von niemandem mehr etwas negatives einreden, hörst du?! 😛 Wenn du so weiter machst, bin ich mir sicher, wirst du viele Erfolge im Sport und für deine Gesundheit feiern. Weiter so 🙂 LG Christoph

  3. Hallo Julie!
    Moi…ja war eine schwierige Zeit, aber zum Glück ist jetzt vieles besser geworden.
    Die Waage würde ich auch nicht mehr regelmäßig besteigen…für was auch?
    Wenn man sich in seiner Haut wohl fühlt, dann braucht man das Ding gar nicht.
    Danke, ganz lieb von dir 🙂
    Liebe Grüße Nina

  4. Oh Gott, ich habe mir den ganzen Post in Ruhe durchgelesen und hatte echt Tränen in den Augen! So jung schon mit der ersten Diät zu beginnen, das klingt wirklich schrecklich… Ich selber wiege mich (wahrscheinlich aus Angst) seit einigen Monaten nicht mehr, mein Tiefpunkt lag bei 46kg und mittlerweile werde ich wohl 10kg mehr drauf haben. Wenn du von einer gestörten Selbstwahrnehmung schreibst, verstehe ich dich nur zu gut. Ich drück dir weiterhin die Daumen, dass dein Selbstbewusstsein und dein Körpergefühl noch besser werden. 🙂
    Alles Liebe, Julie von
    http://www.julieleinchen.com

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